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Moritz Ausflug auf den höchsten befahrbaren Pass der Welt

Über 5000 Meter
Auffahrt in die Anden
Auffahrt in die Anden
Auffahrt in die Anden
Über 5000 Meter
Über 5000 Meter
Trainingsgruppe
Manche Möglichkeiten muss man einfach wahrnehmen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Das dachte sich auch Moritz Milatz, als er beim Recherchieren seines Reiseführers auf die Information stieß, dass sich nur knapp 100 Kilometer vom derzeitigen Trainingsstandort Cachi, mit 4900 Meter, der höchste, befahrbare Straßenpass der Welt befindet. Halt, wird da der Ein oder Andere sagen, so hoch ist doch gerade mal der höchste Berg der Alpen, nur ist die Gipfelkappe des Montblanc vergletschert und damit alles andere, als mit einem Auto befahrbar. Nicht so die Anden, die sich in ihren topografischen und klimatischen Eigenheiten, so gar nicht mit den Alpen vergleichen lassen. Sie sind die längste, über dem Meeresspiegel befindliche Gebirgskette der Erde, mit Gipfelhöhen bis zu knapp 7000 Metern, und die Schneegrenze beginnt dort erst bei ca. 5000 Metern, sodass man die wild lebenden Verwandten von Lamas und Alpakas (Guanakos und Vikunjas) bis in diese Höhen antrifft.

Moritz schildert seine Erlebnisse beim Trip auf das Dach der Anden
Hallo liebe Fans und Freunde aus dem warmen Argentinien,
hier meine Eindrücke von unserem Abenteuertrip auf den höchsten Straßenpass der Welt. Im Reiseführer hatte ich mit Erstaunen gelesen, dass sich keine 100 Kilometer von unserem derzeitigen Aufenthaltsort, mit 4900 Metern, der höchste Straßenpass der Welt befindet. Allerdings ist die Straße da hinauf, nur ein schotteriger Fahrweg, sodass es sich von vorneherein ausschloss, da mit dem Rennrad hochzufahren, schade - mit dem Mountainbike wäre es ein Versuch wert gewesen. Als ich Bundestrainer Andreas Petermann von meiner Entdeckung erzählte, war auch dieser sofort begeistert, sodass wir beschlossen, die Reise am Ruhetag mit dem Auto zu unternehmen. Denn schließlich: Wann kommt man schon auf 5000 Meter Höhe?

Abgefahrene Reifen und seltsame Rituale
Unser argentinischer Fahrer holte uns morgens um 8:00 Uhr ab. Da er jedoch noch ein neues Reserverad organisieren musste, verzögerte sich der Start um weitere drei Stunden. Etwas kritisch betrachteten wir das Auto, mit dem wir losfahren sollten und dabei besonders die Reifen, die fast kein Profil aufwiesen. Aber gut dachten wir, der Fahrer wird schon wissen, was er da macht. Zu fünft machten wir uns schließlich auf den Weg. Andreas Petermann, Lars Fleischmann, Wolfgang Lötzsch der Fahrer und ich, die Anderen hatten sich von der kalkulierten Reisedauer von acht Stunden im Vorfeld abschrecken lassen. Kaum unterwegs, begann der Fahrer diverse Mittelchen gegen die "dünne" Luft auszupacken. Da gab es unter anderem Kokablätter, die er kaute, Muskatnuss und irgendein Sodapulver, außerdem kaufte er sich zu unserem Erstaunen eine Flasche Wein.

Wilde Bachdurchfahrten und ein fehlendes Reserverad im Hinterkopf
Nach nur zehn Kilometern, ging es links ab auf eine grobe Schotterstraße und dann ein sehr langes Hochtal entlang, an dessen Bachlauf es nur so grünte. Ein reizvoller Gegensatz, zur sonst eher kargen, von Felsen und großen Kakteen geprägten Landschaft. Wir gewannen auf den ersten 40 Kilometern kaum an Höhe und als wir den letzten Ort "La Poma" durchfuhren, hielt unser Chauffeur plötzlich an, denn wir hatten links hinten, wie unausgesprochen befürchtet, einen platten Reifen. Gewechselt war das Rad schnell, ohne Ersatzrad jedoch jetzt den ganzen weiteren Weg zurücklegen zu müssen, weckte doch einige ungute Befürchtungen in uns. Nicht so unser Fahrer: Er holte die zuvor gekaufte Flasche Wein, öffnete sie, verteilte etwas auf den Schotter, sprach ein Gebet und weiter ging es. Wie gesagt, es war ein komisches Gefühl, so fern der Zivilisation, ohne Ersatzrad unterwegs zu sein, und das auf einer Schotterstraße, die sich jetzt immer höher das Tal emporschlängelte. Mehrfach mussten wir den bereits erwähnten Bach durchqueren und bei jedem Schlagloch, zogen wir instinktiv die Köpfe ein.

Greifbare Stille und Wesen die ohne Sauerstoff existieren können
Der Lohn unserer Strapazen war eine grandiose Landschaft, so ganz anders als in den Alpen, wo bereits ab 3000 Metern überhaupt nichts mehr wächst. Bald schon hatten wir die Viertausender Marke überschritten und noch immer gab es reichlich Pflanzen. Die Gegend war sehr einsam, höchstens ab und zu eine kleine unbewohnte Hütte. Was tun hier bei einem Platten, geisterte es uns immer wieder durch die Köpfe. Handyempfang war hier sehr unwahrscheinlich und auf die Frage, wie viele Autos hier täglich vorbeikommen, antwortete unser Fahrer lapidar: "Eins bis zwei!" Irgendwann kam uns dann auch tatsächlich ein Auto entgegen, qualmend und die Insassen am Schieben. Immerhin ging es für die jetzt nur noch bergab. Endlich, nach vier Stunden Fahrt standen wir auf der Passhöhe, ein Ausblick, den man nur sehr schwer beschreiben kann. Und dann diese unglaubliche Stille. Die Höhe schien anfangs kein Problem zu sein, zumindest solange man sich nicht bewegte. Vielleicht ein leichtes Druckgefühl im Kopf, mehr aber nicht! Dann wanderten wir Richtung Gipfel, denn schließlich wollten wir ja noch die Höhe von 5000 Metern knacken. Bei jedem zu schnellen Schritt musste ich heftig nach Atem ringen, mein Puls raste, als würde ich wie ein Bekloppter rennen. Dann endlich, nach einer dreiviertel Stunde größter Sauerstoffnot, standen wir auf dem Gipfel auf 5080 Meter Höhe. Der Ausblick war überwältigend und es beeindruckte mich sehr, in dieser lebensfeindlichen Höhe noch auf Lamas und Alpakas, oder waren’s die wildlebenden Guanakos und Vikunjas, zu treffen.

Manchmal hilft fest glauben und ein Flasche Wein
Bergab ging es nun um einiges leichter, und die Rückfahrt verlief viel besser als gedacht. Die Gebete unseres Fahrers wurden scheinbar erhört, den die Reifen hielten, und als wir nach langer Fahrt in unserem Hotel ankamen, war es bereits längst dunkel geworden.

Liebe Grüße, Euer Moritz