Einige Zeit sah es danach aus, als ob die Fahrer des Multivan-Merida-Teams - obwohl im jeweiligen Nationaltrikot unterwegs - bei der EM im niederländischen Zoetermeer eventuell einen Dreifacherfolg ansteuern könnten. Moritz Milatz lag noch in der vierten Runde auf Medaillenkurs auf Platz zwei. Bei einem unglücklichen Sturz prellte sich der Freiburger jedoch den Oberschenkel so, dass er im weiteren Verlauf des Rennens schmerzgeplagt aussteigen musste. Es siegten die Merida-Teamkollegen Ralph Näf (SUI) und José Antonio Hermida (ESP) vor dem belgischen Cross-Spezialisten Sven Nys. Das Rennen auf dem eher untypischen Rennkurs war anfänglich durch Regen und tiefen Matsch und dadurch von großem Materialverschleiß und vielen Defekten gekennzeichnet. Von den 93 gestarteten Fahrern beendeten lediglich 35 das Rennen ohne Rundenverlust, darunter leider nicht ein einziger deutscher Starter!
Moritz Milatz: »Schade, heute war eine Medaille drin…«
So die Aussage von Moritz Milatz nach seinem ungeplanten Ausstieg. »Ich hatte mit Startposition sieben eine sehr gute Ausgangsposition, kam aber beim Start nicht richtig ins Pedal und verlor dadurch gleich ein paar Plätze. Wegen der sehr engen Anfahrt auf die ersten Kurven, und den extrem schlammigen Verhältnissen im Parcours, wollte ich nicht gleich am Anfang Risiko eingehen. Nach und nach konnte ich dann jedoch in der Folge Platz um Platz nach vorne aufschließen. Ab der vierten Runde war ich dann an der Spitzengruppe dran und merkte das ich körperlich noch zusetzen konnte. Gesagt, getan – das Rennen kam mir bis dahin entgegen und ich wollte mein Glück versuchen. Kurzzeitig gelang es mir sogar, mich von der Verfolgergruppe leicht abzusetzen. Wenn das Rennen danach so weiter gegangen wäre, hätte dieser Tag durchaus mit einer Medaille enden können. Das es dazu dann leider nicht kam lag daran, dass ich nach einer der unzähligen Laufpassagen im Matsch bergauf vor der anschließenden Abfahrt wieder einmal nicht mehr ins Pedal kam. Selbst meine extrem matschunempfindlichen 'Eggbeaters' (sehr schmutzabweisendes Pedalsystem von Crankbrothers) konnten den zwischenzeitlich angetrockneten Quark unter meinen Schuhsohlen nicht mehr schlucken. Ohne Pedalführung nahm ich in der nächsten steilen Abfahrt nach Sturz mit meinem Oberschenkel schmerzhaft Bodenberührung auf. In der Folge wurde ein kraftvolles Weitertreten immer unmöglicher und ich stieg dann in der darauffolgenden Runde enttäuscht aus!«
Und was bleibt am Ende eines langen, matschigen Tages?
Die Erkenntnis das Moritz' Form eine Woche vor der Deutschen Meisterschaft stimmt und der 27-jährige Freiburger mit etwas mehr Fortune heute seine erste internationale Medaille hätte erringen können. Und deshalb zum Schluss auch noch etwas leicht Nachdenkenswertes: Selbstverständlich und natürlich wird die Schwierigkeit eines Rennens immer von den daran teilnehmenden Athleten selbst gemacht, wer würde daran zweifeln? Aber wenn man schon eine MTB-Europameisterschaft zur Matschlotterie auf einem Cross-Parcours mit 'tausend' kleinen Laufanstiegen ausarten lässt, bei der das Durchkommen dann auch wesentlich vom Material bestimmt wird und nicht nur von der körperlichen Verfassung des Athleten, dann darf man im Anschluss auch fragen, warum beim Mountainbike-Rennsport nicht der komplette Wechsel des Bikes, wie etwa beim Radcross gestattet ist?
sportliche Grüße
PR - Michael Veit
Ergebnis Herren – Europameisterschaft Zoetermeer
1. NÄF Ralph SUI 2:13:10
2. HERMIDA RAMOS José Antonio ESP 2:14:49
3. NYS Sven BEL 2:16:22
4. GUJAN Martin SUI 2:17:11
5. FLÜCKIGER Lukas SUI 2:18:09
6. SPESNY Milan CZE 2:18:20
7. VOGEL Florian SUI 2:18:34
8. MANTECON GUTIERREZ Sergio ESP 2:18:39
9. RAVANEL Cedric FRA 2:18:57
10.KILLEEN Liam GBR 2:19:08
11.KULHAVY Jaroslav CZE 2:20:21
12.FRIEDL Jiri CZE 2:20:42
13.LINDGREN Emil SWE 2:20:47
14.BECKINGSALE Oliver GBR 2:21:33
15.VAN HOUTS Rudi NED 2:21:53
16.GOGOLEV Maxim RUS 2:22:22
17.ALVAREZ GUTIERREZ Ivan ESP 2:22:48
18.LEJARRETA ERRASTI Iñaki ESP 2:22:51
19.PIETERSMA Jelmer NED 2:22:54
20.NIELSEN Klaus DEN 2:23:26